Jugendsozialarbeit News

 

[ 13.12.2004 ]

PISA 2003: "Es muss darauf geachtet werden, dass sich die Kopplung zwischen sozialer Herkunft und Kompetenz nicht verstärkt"

Mit PISA (Programme for International Student Assessment) informiert die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ihre Mitgliedstaaten über Stärken und Schwächen der Bildungssysteme. Das "PISA-Konsortium Deutschland" unter Federführung des Leibniz-Instituts für die Pädagogik der Naturwissenschaften (IPN) hat nun im Auftrag der Kultusministerkonferenz "PISA 2003. Ergebnisse des zweiten internationalen Vergleichs" vorgelegt. Auszüge aus der Zusammenfassung:

>> ... 1 PISA im Überblick

 ... PISA untersucht regelmäßig die Kompetenzen von fünfzehnjährigen Schülerinnen und Schülern in den Bereichen Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften. ... In PISA 2003 ist nun die Mathematik Schwerpunkt. ... In Deutschland nahmen 216 Schulen und 4660 Schülerinnen und Schüler an den Erhebungen zum internationalen Vergleich teil. ...

2 Mathematische Kompetenz

... Insgesamt betrachtet stellt sich bei PISA 2003 die mathematische Kompetenz in Deutschland besser dar als in der ersten Erhebungsrunde: Im internationalen Vergleich liegt die Gesamtleistung der Schülerinnen und Schüler in Deutschland nun im OECD-Durchschnitt. ... Diese positive Entwicklung könnte auf ein verändertes Problembewusstsein und auf Maßnahmen zurückzuführen sein, die in Deutschland nach TIMSS ergriffen wurden, zum Beispiel durch einen Wandel der Aufgabenkultur von einer vorwiegend algorithmisch geprägten Fertigkeitsorientierung hin zu einer stärkeren Problem- und Anwendungsorientierung. Allerdings sind die Streuung der Leistungen und die Anteile der Risikogruppen in Deutschland nach wie vor groß. Eine Steigerung der mathematischen Kompetenz konnte bisher am ehesten im Bereich der Gymnasien beobachtet werden. Allerdings ist die Gruppe der Schülerinnen und Schüler, die eine ausgezeichnete mathematische Kompetenz entwickelt haben, im internationalen Vergleich ausbaufähig. Besondere Aufmerksamkeit verdient weiterhin die Förderung der mathematischen Kompetenz in den Hauptschulen. ...

3 Lesekompetenz

... Im Bereich der Lesekompetenz zeichnen sich bei PISA 2003 vergleichbare Probleme ab wie in PISA 2000. Die Lage im internationalen Vergleich hat sich zwar leicht verbessert, da Deutschland nun im internationalen Durchschnittsbereich liegt, jedoch ist noch keine substantielle, d.h. statistisch abgesicherte Verbesserung der Lesekompetenz festzustellen. Vor allem ist der Anteil von Schülerinnen und Schülern, die aufgrund ihrer Lesekompetenz schlechte Chancen für eine nachfolgende Ausbildung und gesellschaftliche Teilhabe besitzen, mit fast einem Viertel unverändert groß. ...

4 Naturwissenschaftliche Kompetenz

... Insgesamt zeichnet sich im Bereich der naturwissenschaftlichen Kompetenz in PISA 2003 für Deutschland ein gegenüber 2000 besseres Ergebnis ab. Deutschland liegt nun im internationalen Durchschnittsbereich, der Kompetenzzuwachs gegenüber 2000 lässt sich statistisch absichern. ... Da die Kompetenzzuwächse in Deutschland vorwiegend im mittleren und oberen Leistungsbereich erzielt wurden, vergrößert sich die Leistungsstreuung und der Anteil von Jugendlichen mit einer problematisch schwachen naturwissenschaftlichen Kompetenz bleibt unverändert. ...

5 Problemlösen

... Der internationale Vergleich zeigt im Bereich des Problemlösens ein interessantes Ergebnis für Deutschland: Die Jugendlichen lassen mit einer überdurchschnittlich stark ausgeprägten Problemlösekompetenz ein bemerkenswertes kognitives Potential erkennen. ... Das kognitive Potential in stärker fachbezogenes Wissen und Verständnis umzusetzen, dürfte damit eine wichtige Herausforderung für die Schulen in Deutschland sein. ...

6 Vertrautheit mit dem Computer

... Insbesondere an den deutschen Schulen ... wird der Computer noch sehr selten genutzt: Nur 21 Prozent der Schülerschaft berichten über einen regelmäßigen Einsatz im Unterricht (gegenüber 39 Prozent im OECD-Durchschnitt). Der Anteil ist zwar gegenüber PISA 2000 (16 Prozent) leicht gewachsen, fällt jedoch in Anbetracht zahlreicher Förderprogramme (z.B. Schulen ans Netz) weiterhin sehr gering aus. Der internationale Vergleich zeigt außerdem, dass die Schule insgesamt nur eine Nebenrolle beim Erwerb computerbezogener Kenntnisse und Fertigkeiten spielt. Das gilt auf internationaler Ebene, für Deutschland aber in besonderem Maße ... Schülerinnen und Schüler, die ihre Computerkenntnisse vornehmlich in der Schule erwerben, ... weisen gegenüber den Gruppen, die diese andernorts erwerben, einen deutlichen Kompetenzrückstand auf. Anhand der Testergebnisse wurde auch der Anteil von Jugendlichen ermittelt, denen einfachste Grundkenntnisse fehlen und die somit nicht für ein Arbeiten mit dem Computer vorbereitet sind (Risikogruppen). Dieser Anteil ist bei den Jugendlichen besonders stark ausgeprägt, die ihre Kenntnisse in erster Linie in der Schule erworben haben bzw. auf die Schule als Lernort für Computerkompetenz angewiesen waren. ... Schülerinnen und Schüler, die weder im Elternhaus noch im Freundeskreis Gelegenheiten und Unterstützung erhalten, mit dem Computer vertraut zu werden, sind in Gefahr, den Anschluss zu verlieren. ...

7 Schülermerkmale im Fach Mathematik

...  Es finden sich keine Hinweise auf eine insgesamt schwache Ausprägung des Selbstvertrauens; die Mathematikangst wird als verhältnismäßig gering angegeben. Wie in den meisten anderen Staaten finden sich auch in Deutschland typische Geschlechterdifferenzen: So schätzen im Mittel Mädchen ihre Fähigkeiten und ihr Interesse als geringer und ihre Mathematikangst als deutlich höher ein. ... Bemerkenswert, aber nicht einfach zu interpretieren, sind einige Unterschiede zwischen den Schulformen: Die Durchschnittswerte für Freude und Interesse an Mathematik, aber auch für Leistungsmotivation und instrumentelle Motivation liegen für die Hauptschulen über denen der Gymnasien. ...

8 Kompetenzen von Jungen und Mädchen

... Der erhebliche Rückstand der Jungen in der Lesekompetenz gegenüber den Mädchen besteht auch 2003 weiter als große Herausforderung für alle Bildungssysteme. ... In Deutschland schneiden die Jungen in der Mathematik signifikant besser ab als die Mädchen. Die Befunde zum Problemlösen unterstreichen jedoch, dass die Mädchen in Deutschland durchaus das Potential für die Entwicklung einer deutlich höheren mathematischen Kompetenz mitbringen. ...

9 Soziale Herkunft

Die soziale Herkunft umfasst familiäre Lebensverhältnisse und damit Bedingungen des Aufwachsens mit unterschiedlichen Gelegenheiten für Lernen, Teilhabe an Bildungsangeboten und Kompetenzentwicklung. PISA untersucht, inwieweit es den Bildungssystemen gelingt, jungen Menschen gerechte Chancen für Bildungserfolg zu geben, unabhängig von ihrer sozioökonomischen (Abschnitt 9.1) und sozio-kulturellen (Abschnitt 9.2) Herkunft. ...

9.1 Familiäre Lebensverhältnisse, Bildungsbeteiligung und Kompetenzerwerb

PISA zieht zahlreiche Aspekte familiärer Lebensverhältnisse in Betracht: die Familienstruktur, Bildungsabschlüsse und Erwerbstätigkeit der Eltern, kulturelle Besitztümer, und die berufliche Stellung der Eltern. Für alle diese Aspekte werden Beziehungen zur mathematischen Kompetenz der Jugendlichen untersucht. In PISA 2003 wurde darüber hinaus für die Analysen zum sozialen Hintergrund ein neuer Index gebildet, der gleichzeitig ökonomische, soziale und kulturelle Indikatoren der familiären Herkunft integriert. Dabei handelt es sich um den Index of Economic, Social and Cultural Status (ESCS). ...

Die Fünfzehnjährigen unterschiedlicher ökonomischer, sozialer und kultureller Herkunft (ESCS) verteilen sich in Deutschland nicht gleichmäßig auf die Schulformen. In den Hauptschulen kommen fast 45 Prozent der Schülerinnen und Schüler aus dem untersten ESCS-Quartil. In den Gymnasien stammt dagegen die Hälfte der Schülerinnen und Schüler aus Elternhäusern, die dem oberen ESCS-Quartil angehören. ...

Die Unterschiede in der sozioökonomischen und kulturellen Herkunft sind mit ausgeprägten Unterschieden in der mathematischen Kompetenz verknüpft (...). Schülerinnen und Schüler derselben Schulform besitzen je nach ihrem elterlichen Hintergrund einen Kompetenzvorsprung von bis zu zwei Schuljahren. ... Insgesamt unterscheiden sich die Kompetenzniveaus zwischen den verschiedenen Schulformen deutlich stärker voneinander als die Kompetenzwerte von Schülerinnen und Schülern innerhalb einer Schulform. Welche Schulform eine Schülerin oder ein Schüler besucht, ist damit von großer Bedeutung dafür, welches Kompetenzniveau in Mathematik über die Schulzeit erreicht wird.

Der Besuch der verschiedenen Schulformen hängt jedoch wiederum von Merkmalen der sozialen Herkunft ab. ... Die Chancen von Kindern aus dem obersten Viertel der ESCS-Verteilung, ein Gymnasium zu besuchen, sind fast 9 mal größer im Vergleich zur Referenzkategorie. Auch wenn man die (getesteten) kognitiven Grundfähigkeiten und die gemessene mathematische Kompetenz der Jugendlichen kontrolliert, bleiben die Chancen für Jugendliche aus dem höchsten ESCS-Quartil gegenüber Jugendlichen aus dem 25-50%- Quartil, das Gymnasium anstelle einer Realschule zu besuchen, sehr viel besser (5.7 zu 1).

Für Deutschland ist ein enger Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und mathematischer Kompetenz festzustellen, der vor allem auch über die Beteiligung und Beteiligungschancen an den unterschiedlichen Schulformen vermittelt wird. ... Die Stärke des Zusammenhangs zwischen dem ESCS-Index und der mathematischen Kompetenz ... ist im internationalen Vergleich sehr hoch (...). Die Unterschiede in der mathematischen Kompetenz können in Deutschland sehr viel sicherer als in den meisten anderen OECDStaaten (mit Ausnahme von Ungarn und Belgien) durch Unterschiede der sozialen Herkunft vorhergesagt werden.

Bemerkenswert im internationalen Vergleich ist, dass eine Entkopplung von sozialer Herkunft und erreichter Kompetenz keineswegs mit Einbußen im durchschnittlichen Leistungsniveau der Staaten verbunden ist. In einer ganzen Reihe von Staaten werden ausgezeichnete Bildungsergebnisse bei einer – im Vergleich zu Deutschland – deutlich schwächeren Kopplung von sozioökonomischem, kulturellem Status und mathematischer Kompetenz erreicht.

9.2 Soziokulturelle Herkunft: Migration

PISA berücksichtigt bei der Erfassung des Migrationsstatus mehrere Aspekte: Neben der Sprache, die zu Hause gesprochen wird, interessiert das Geburtsland der Eltern und der Jugendlichen selbst. Bei Anwendung der oben genannten Kriterien sind in der PISA-Stichprobe für Deutschland 20,6 Prozent Jugendliche mit Migrationsstatus vertreten. ...

Jugendliche mit Migrationshintergrund erreichen international und in Deutschland ein geringeres Kompetenzniveau in Mathematik und auch in den anderen getesteten Domänen als Jugendliche ohne Migrationshintergrund. Ein international auffälliges Ergebnis ist jedoch, dass Jugendliche der ersten Generation (beide Elternteile sind im Ausland geboren, der oder die Jugendliche selbst ist in Deutschland geboren) in Deutschland noch ungünstigere Ergebnisse als zugewanderte Jugendliche erzielen, obwohl sie in Deutschland aufgewachsen sind und ihre gesamte Schulzeit in deutschen Schulen verbracht haben ...

Ein Großteil der Jugendlichen, deren Eltern im Ausland geboren sind, gehört der unteren Sozialschicht an. Da die Chancen, eine höhere Schulform zu besuchen, in Deutschland relativ eng mit dem sozioökonomischen Status verbunden sind, liegt es nahe, dass der überwiegende Teil von Jugendlichen mit Migrationshintergrund Hauptschulen besucht und eher ein geringer Anteil das Gymnasium. ...

Zusammenfassung

PISA 2003 belegt für Deutschland eine sehr enge Kopplung zwischen der sozialen Herkunft und der mathematischen Kompetenz. Die Mittelwerte für mathematische Kompetenz von Jugendlichen aus dem oberen Viertel der Sozialstruktur (festgemacht am höchsten Berufsstatus in der Familie) liegen mehr als eine Standardabweichung über dem entsprechenden Kennwert für das untere Viertel. Nimmt man den bei PISA 2003 neu gebildeten Index für den ökonomischen, sozialen und kulturellen Status (ESCS), findet man auch hier eine im internationalen Vergleich sehr stark ausgeprägte Kopplung mit einer Mathematikkompetenz, die auf internationalem Durchschnittsniveau liegt.

Die Leistungsdifferenzen zwischen Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund sind in Deutschland sehr stark ausgeprägt; sie sind zu einem Teil auch auf Differenzen in der sozioökonomischen Lage zurückzuführen. Für Deutschland kann an dieser Stelle eine eher ungünstige Kombination von Chancengerechtigkeit und Kompetenzniveau festgestellt werden. Der internationale Vergleich belegt, dass es in einigen Staaten offensichtlich besser gelingt, Schülerinnen und Schüler aus unterschiedlichen Sozialgruppen zu einem sehr hohen Niveau mathematischer Kompetenz zu führen.

10 Schule und Unterricht

... Insgesamt lassen sich bei der Unterrichtsgestaltung schulformspezifische Unterrichtskulturen beobachten: Ein kognitiv aktivierender und selbständigkeitsfördernder Umgang mit mathematischen Inhalten ist tendenziell eher in Gymnasien zu beobachten, in Hauptschulen und Schulen mit mehreren Bildungsgängen überwiegt eine Form des Unterrichtens mit geringem kognitiven Gehalt und ausgeprägter Unterstützung. ...

11 Von PISA 2000 zu PISA 2003

... Da die Erhebungen in einem Abstand von drei Jahren stattfinden, ist der Zeitraum zwischen Veröffentlichung der Ergebnisse und neuer Testung sehr knapp (ca. 18 Monate). Da bei PISA Bildungsergebnisse erfasst werden, die sich über eine fünfzehnjährige Lernbiographie entwickelt haben, beschreiben Veränderungen in den Messwerten nicht unbedingt Effekte von Maßnahmen, die zwischen den Erhebungszeiträumen ergriffen wurden. ...

Während Deutschland bei PISA 2000 in allen Kompetenzbereichen unterhalb des internationalen Durchschnitts lag, erscheint es nun in den Basiskompetenzen im internationalen Mittelfeld, im Bereich Problemlösen darüber. ... In Deutschland ... sind signifikante Verbesserungen im Bereich der naturwissenschaftlichen Kompetenz und bei der Mathematikteilskala „Veränderung und Beziehungen“ zu beobachten. ...

Betrachtet man die Kennwerte aufgeschlüsselt nach Schulformen, dann zeichnet sich ab, dass die Kompetenzänderungen in Deutschland nicht gleichermaßen über alle Schulformen verteilt sind (...) In den Gymnasien zeigen sich deutliche (und signifikante) Zuwächse in allen Kompetenzbereichen außer dem Lesen. Signifikante Veränderungen lassen sich bei den Realschulen für die Teilskala „Veränderung und Beziehungen“ und für die naturwissenschaftliche Kompetenz feststellen, bei den Integrierten Gesamtschulen nur für den Bereich Naturwissenschaften. Die Veränderungen in den Mittelwerten für die Hauptschule können nicht statistisch abgesichert werden. Insgesamt zeichnet sich die Tendenz ab, dass eher für die Gruppe der leistungsstärkeren Schülerinnen und Schüler (also in der oberen Hälfte der Leistungsverteilung) Kompetenzzuwächse zu verzeichnen sind. ...

In PISA 2000 und PISA 2003 wurden die Kompetenzen von Jugendlichen aus Familien mit unterschiedlichem sozioökonomischen Status (...) verglichen. ... Generell liegt das durchschnittliche Kompetenzniveau von Jugendlichen aus Familien mit hohem Status deutlich über dem der Jugendlichen aus Familien mit einem niedrigen sozioökonomischen Status. Allerdings haben sich die Abstände zwischen den Quartilen zwischen 2000 und 2003 auf unterschiedliche Weise verändert: Im Lesen haben die Jugendlichen aus dem untersten Quartil gegenüber der Vergleichsgruppe etwas aufgeholt. Anders verhält es sich bei der mathematischen und naturwissenschaftlichen Kompetenz. Hier zeigen die Jugendlichen aus Familien mit einem hohen sozioökonomischen Status Zuwächse zwischen 26 und 39 Punkten. Es muss darauf geachtet werden, dass sich die Kopplung zwischen sozialer Herkunft und Kompetenz nicht verstärkt. ...

Insgesamt unterstreichen die Befunde, dass im deutschen Bildungssystem bessere Ergebnisse erzielt werden können. Wichtige Herausforderungen für die nächsten Jahre liegen in der Verbesserung der Kompetenzen im unteren Leistungsbereich, der Förderung von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund und der Reduzierung des Zusammenhanges zwischen sozialer Herkunft, Bildungsbeteiligung und Kompetenzerwerb. ... <<

Quelle: PISA-Konsortium Deutschland: "PISA 2003. Ergebnisse des zweiten internationalen Vergleichs. Zusammenfassung", Hrsg.: Manfred Prenzel, Jürgen Baumert, Werner Blum, Rainer Lehmann, Detlev Leutner, Michael Neubrand, Reinhard Pekrun, Hans-Günter Rolff, Jürgen Rost und Ulrich Schiefele. Unter Mitarbeit von Désirée Burba, Claus H. Carstensen, Barbara Drechsel, Timo Ehmke, Heike Heidemeier, Fanny Hohensee, Gesa Ramm, Silke Rönnebeck, Martin Senkbeil, Oliver Walter und Karin Zimmer, http://pisa.ipn.uni-kiel.de/Ergebnisse_PISA_2003.pdf


KMK: "Anstrengungen verstärken, bei ungünstigen Entwicklungen in der Bildungsbiographie gezielte Ausgleichsmaßnahmen einzuleiten"

Auszüge aus einer Pressemitteilung der Kultusministerkonferenz (KMK):

>> ... Zu einer realistischen Bewertung der Ergebnisse gehört die Erkenntnis, dass es bis zum Zeitpunkt der Testdurchführung nicht gelungen ist, die Leistungen der so genannten Risikogruppe (Schülerinnen und Schüler mit nur geringen Kompetenzen) und der Jugendlichen mit Migrationshintergrund zu verbessern. Dies und die weiterhin bestehende enge Kopplung von sozialer Herkunft und Kompetenzerwerb sind aus Sicht der KMK nicht hinzunehmen. Hier liegt eine besonders große Herausforderung für die Bildungspolitik der kommenden Jahre. Aus Sicht der KMK ist in diesem Zusammenhang die neue Erkenntnis sehr beunruhigend, dass Jugendliche, deren Eltern im Ausland geboren sind, die aber selbst in Deutschland aufgewachsen sind, noch ungünstigere Ergebnisse als zugewanderte Jugendliche erzielen. ...

Angesichts der großen Bedeutung einer frühen Förderung sind die eingeleiteten langfristig wirksamen Maßnahmen zur Stärkung des Bildungsauftrags der Kindertagesstätten und zur Verbesserung der sprachlichen Kompetenz, insbesondere der Kinder mit Migrationshintergrund bereits im Vorschulalter und dann im weiteren Verlauf der Schulzeit zu intensivieren. Gleichzeitig müssen die Anstrengungen verstärkt werden, bei ungünstigen Entwicklungen in der Bildungsbiographie gezielte Ausgleichsmaßnahmen einzuleiten. Die vielfältigen Maßnahmen der Länder, auch der Ausbau der Ganztagsangebote mit dem Ziel verbesserter Fördermöglichkeiten, liefern hierzu einen wichtigen Beitrag. ...

... In der KMK ... werden in den kommenden Monaten die folgenden Arbeitsbereiche im Mittelpunkt stehen:

  • Verbesserung des Unterrichts zur gezielten Förderung in allen Kompetenzbereichen, insbesondere in den Bereichen Lesen, Geometrie und Stochastik.
  • Frühzeitige gezielte Förderung von Kindern und Jugendlichen, die aus sozial schwierigem Umfeld stammen oder einen Migrationshintergrund haben, und gezielte Ausgleichsmaßnahmen bei ungünstigen Entwicklungen in der Bildungsbiographie.
  • Weiterentwicklung der Lehreraus- und –fortbildung, insbesondere im Hinblick auf den Umgang mit Heterogenität, eine Verbesserung der Diagnosefähigkeit und eine gezielte Unterstützung der einzelnen Schülerinnen und Schüler.

Die Verbindung von guten Leistungsergebnissen und einer besseren Entkopplung von sozialer Herkunft und erreichter Kompetenz ist, wie der internationale Vergleich im Rahmen von PISA 2003 zeigt, für Deutschland eine große Herausforderung und eine notwendige Zielsetzung. ... <<

Quelle: KMK, 6.12.2004, www.kmk.org/aktuell/pm041206.htm  


"Jugendsozialarbeit an Schulen fördert Chancengleichheit"

Auszüge aus einer Pressemeldung des Referates Jugendsozialarbeit beim Landes-Caritasverband Bayern:

>> ... Die PISA-Studie zeigt erneut, dass die Bildungschancen auch in Bayern nach wie vor stark von der sozialen Herkunft bestimmt sind. Dies bestätigt die Erfahrungen der Katholischen Jugendsozialarbeit, die sich in Bayern in über 250 Einrichtungen engagiert. Schulische und berufliche Bildung sind unerlässliche Voraussetzungen für junge Menschen, zukünftig selbst ihr eigenes Leben in die Hand zu nehmen. Die Tatsache, dass in Deutschland sieben Prozent eines Jahrgangs keinen Schulabschluss haben und fast 15 Prozent keine Berufsausbildung absolvieren, ist nicht länger hinnehmbar.

Um die Chancengleichheit für Kinder und Jugendliche zu erhöhen, ist es aus Sicht des Landes-Caritasverbands Bayern (LCV) erforderlich, an allen Schulen in sozialen Brennpunkten oder mit einem hohen Ausländeranteil Stellen für Sozialarbeiter einzurichten, die die Jugendlichen in ihrer schulischen, sozialen und beruflichen Integration unterstützen. Das bayerische Landesprogramm zur Förderung der Jugendsozialarbeit an Schulen müsse daher wie geplant ausgebaut werden, anstatt es auch in den kommenden Jahren auf niedrigem Stand „einzufrieren“. Dies ginge, so der LCV Bayern, nicht nur zu Lasten der jungen Generation; ungerecht verteilte Startchancen seien ein Problem der gesamten Gesellschaft.

Das Engagement katholischer Träger in einer Vielzahl schulbezogener Hilfen zeigt deutlich, dass sozialpädagogische Angebote wesentlich dazu beitragen, die Bildungschancen von sozial benachteiligten Jugendlichen zu erhöhen. Als Schritte in die richtige Richtung begrüßt die Caritas vermehrte Ganztags-Angebote an Schulen und die Entwicklung nationaler Bildungsstandards, in denen auch die Vermittlung sozialer Kompetenzen eine wesentliche Rolle spielen. <<

Quelle: Landes-Caritasverband Bayern, Michael Kroll, Referent für Jugendsozialarbeit, München, 8.12.2004, michael.kroll@caritas-bayern.de


Weitere Infos zu PISA 2003:

 

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Impressum, ISSN 1610-4757
Redaktion: Andreas Gaida eMail
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